Das große Eszett kommt

Freitag, 9. Dezember 2016

Gestern, am 8. Dezember 2016, hat der „Rat für Rechtschreibung“ seinen aktuellen Bericht an die Kultusministerkonferenz übergeben. Einer von zwei Vorschlägen zu einer Regelveränderung bei Schreibweisen befasst sich mit der Einführung des Großbuchstabens „Eszett“ in das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Somit werden wir uns also über kurz oder lang an das „Eszett“ in der Versalschreibung gewöhnen müssen. Da aber die wenigsten Schriftarten bereits über einen entsprechend ausgewogen gestalteten Großbuchstaben für das ß verfügen, wird uns sehr lange – auch aus typografischer Unkenntnis – der Kleinbuchstabe inmitten von Versalien begegnen. Ob das schön ist und vor allem der Lesbarkeit dient, darf jeder für sich selbst entscheiden. Feststeht, dass das ß im nicht deutschsprachigen Ausland immer wieder Probleme, z. B. bei der Abschrift von Straßennamen, bereitet und häufig als „b“ fehlinterpretiert wird. Dann wird auch ein großes Eszett zum B: „DER GROBE DUDEN“.

2 Responses to “Das große Eszett kommt”

  1. Es gibt in der Tat schon Beispiele, allerdings fällt es mir schwer, mich an den Anblick zu gewöhnen. Ein Versal-Eszett wirkt nach meinem Empfinden noch viel mehr wie ein B als der Kleinbuchstabe. Man mag über den Sinn oder Unsinn der ss-Ligatur streiten – feststeht, dass es sich die Schweizer mit dem kompletten Weglassen des ß deutlich einfacher machen.

  2. Bin gespannt, wer sich traut, das umzusetzen. Gibt es schon Beispiele? Es wäre an der Zeit, dem Rat ein „Exekutivkomitee mit ergänzender Richtlinienkompetenz für wirklich vernünftige Rechtschreibung“ zur Seite zu stellen. Das „Eszett“ ist eine Ligatur, ein B-Promi in der Oberliga der Buchstaben („The German B“), und die hat in Versalschreibung nichts zu suchen. Behelfen wir uns wie gehabt mit der Vermeidung von Versalschreibung oder Worten mit ß. Bie Eigennamen wird es dann natürlich schwierig.

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