Archive for the ‘Sprache’ Category

Das große Eszett kommt

Freitag, Dezember 9th, 2016

Gestern, am 8. Dezember 2016, hat der „Rat für Rechtschreibung“ seinen aktuellen Bericht an die Kultusministerkonferenz übergeben. Einer von zwei Vorschlägen zu einer Regelveränderung bei Schreibweisen befasst sich mit der Einführung des Großbuchstabens „Eszett“ in das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung. Somit werden wir uns also über kurz oder lang an das „Eszett“ in der Versalschreibung gewöhnen müssen. Da aber die wenigsten Schriftarten bereits über einen entsprechend ausgewogen gestalteten Großbuchstaben für das ß verfügen, wird uns sehr lange – auch aus typografischer Unkenntnis – der Kleinbuchstabe inmitten von Versalien begegnen. Ob das schön ist und vor allem der Lesbarkeit dient, darf jeder für sich selbst entscheiden. Feststeht, dass das ß im nicht deutschsprachigen Ausland immer wieder Probleme, z. B. bei der Abschrift von Straßennamen, bereitet und häufig als „b“ fehlinterpretiert wird. Dann wird auch ein großes Eszett zum B: „DER GROBE DUDEN“.

Die Macht der Worte

Mittwoch, April 13th, 2011

Durch einen Tweet von @derWebarchitekt wurde ich auf dieses Video aufmerksam. Die Aussage des Films ist zwar schon einige Jährchen alt und in Werberkreisen nicht unbekannt, dennoch finde ich die Umsetzung so außerordentlich gelungen, dass mir das Video einen Beitrag wert ist:

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Über die Lebendigkeit der Sprache

Dienstag, Oktober 12th, 2010

Durch einen Beitrag im Blog der „Textzicke“ (ja, sie nennt sich selbst so!) wurde ich auf einen Videoclip aufmerksam, in dem sich der Brite Stephen Fry zur Lebendigkeit der Sprache äußert.

Zunächst war ich wieder einmal überwältigt von Stephen Frys Erzählkunst und von seinem Talent, einen Text so vorzutragen, dass man dem Sprecher förmlich an den Lippen klebt. Stundenlang könnte ich seiner Stimme und seinem Englisch lauschen. Aber: Was Fry über die lebende Sprache sagt, teile ich nur ansatzweise.

Ja, Sprache lebt. Das muss auch so sein, damit sich eine Gesellschaft weiterentwickeln kann. Neue Wortschöpfungen, Umdeutungen von Begriffen und auch zeitgemäße Anpassungen von Orthografie und Grammatik haben ihre Daseinsberechtigung. Allerdings ist Sprache doch viel mehr als nur reine Inhaltsvermittlung. Sprache besitzt ihre ganz eigene Ästhetik, sie kann manipulieren, kann Wert- oder Geringschätzung ausdrücken, sie kann Gefühle vermitteln, sie kann provozieren. Sprache ist Kommunikationsmittel, aber auch Kunst. Sie kann sowohl trivial sein als auch äußerst komplex.

Es hat meines Erachtens jedoch nichts mit Pedanterie zu tun, wenn man den Nuancenreichtum und die Feinheit einer Sprache mittels bestimmter Grundsätze zu bewahren versucht und in gewisser Weise sogar dafür kämpft, dass sich die (Mutter-)Sprache nicht auf ein Mindestvokabular ohne Regelwerk verstümmeln lässt. Dazu gehört meiner Meinung nach aber sehr wohl auch das Einhalten von Konventionen, die im Laufe der Zeit aus unterschiedlichsten Gründen getroffen wurden. Gerade das bewusste Brechen dieser Übereinkünfte kann dann jedoch wiederum zu einem eigenen Stilmittel der Kommunikation werden. Viele vermeintlich starre Regeln ermöglichen es doch überhaupt erst, nackten Inhalten den gewünschten Feinschliff zu geben. Ein Werbeslogan wie „Deutschlands meiste Kreditkarte“ konnte beispielsweise nur deshalb entsprechende Aufmerksamkeit erregen, weil er durch falsche Grammatik bewusste oder unbewusste Irritation auslöste.

Mit der Sprache ist es doch wie mit einem guten Wein. Natürlich schmeckt auch der Rote für 2,99 Euro vom Discounter irgendwie nach Wein. Wer aber echten Genuss schätzt, weiß, dass er dafür üblicherweise ein paar Euro mehr auf den Tisch legen muss. Besoffen machen am Ende beide.

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Beim Lesenlernen helfen: Mentor-Hessen e.V.

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Mentor Hessen e.V.Schreib- und Leseschwächen sind so alt wie die Schrift. In den Zeiten des Internets schreiben und lesen wahrscheinlich mehr Menschen als je zuvor. In Foren, sozialen Netzwerken und anderen Plattformen des Web 2.0 fallen Schwächen im Umgang mit der Sprache allerdings immer häufiger und deutlicher auf.

Der Verein „Mentor – die Leselernhelfer e.V.“ setzt dort an, wo Bildungspolitik, Lehrer und Eltern an ihre Grenzen stoßen. Mentor versteht sich als Initiative von Freiwilligen, die gesunden Menschenverstand besitzen, Kinder und die deutsche Sprache lieben und Verantwortung übernehmen wollen. Die Initiative fördert die Lese- und Sprachkompetenz von Mädchen und Jungen zwischen 6 und 16 Jahren. Dabei arbeiten die ehrenamtlichen Mentorinnen und Mentoren mit Kindern aus allen Schultypen. Den Schwerpunkt bilden Grund- und Hauptschüler.

Freiwillige, die gern lesen und gern mit Kindern arbeiten, wenden sich an Mentor. Der gemeinnützige Verein stellt das Konzept interessierten Schulen vor. Mit Unterstützung des Lehrerkollegiums finden sich schließlich Mentoren und Schüler. Lehrer haben zuvor förderungswürdige Schüler empfohlen. Ein bis zwei Mal wöchentlich treffen sich dann Mentoren und Schüler in der Schule – in Freistunden oder nach dem Unterricht – über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten zum gemeinsamen Lesen.

Nach fünf Jahren „Mentor“ berichten die Verantwortlichen von erfreulichen Resultaten: Bereits nach sechs Monaten gemeinsamen Lesens und Lernens verbessern sich die Deutschleistungen der Mädchen und Jungen in der Regel um eine Note.

Wenn auch Sie Interesse daran haben, die Sprachkompetenz unserer Kinder zu fördern oder Mitglied bei den Leselernhelfern zu werden, besuchen Sie die Webseite von Mentor-Hessen e.V.

Ist die deutsche Sprache krankenhausreif?

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Nirgendwo anders, so scheint es mir, wird unsere Muttersprache seit geraumer Zeit mehr geschunden als in den sich immer größerer Beliebtheit erfreuenden „Social Networks“ wie wer-kennt-wen, Facebook & Co. Nicht mehr nur kryptische Abkürzungen für emotionale Bekundungen (beispielsweise HDGDL für „Hab dich ganz doll lieb“) gehören dort mittlerweile zur Standardterminologie, sondern auch die Missachtung jeglicher uns von unseren Grundschullehrern so mühsam antrainierten Orthografie- und Grammatikregeln.

Etlichen Autoren von auf den modernen Internetplattformen verfassten Beiträgen ließe sich unterstellen, ihre Umschalttaste (neudeutsch: Shift) habe einen Defekt oder klemme, weil möglicherweise zu viel taurinhaltige Limonade über die Tasten geflossen ist. Besonders kreative Schreiber betätigen die Umschalttaste hingegen scheinbar auch mitten im Wort zum Rhythmus der aus ihrem MP3-Player klingenden „Tracks“, sOdASS duRcHaUS aUFmErKSamKeiTSsTarKe Texte entstehen können. Viele Tastaturen der Generation SMS wurden auch schlicht der Tasten für die Satzzeichen beraubt. In Kombination mit etwas Phlegma, Deklinationen à la Verona und waghalsiger Syntax entsteht die moderne Community-Sprache – voilà:

wer-kennt-wen

Oder wie hätte vielleicht Yoda aus der Star-Wars-Trilogie gesagt: Wenn schreiben du willst, auch deinen Geist gebrauchen du musst.

MfG, LG & Co.: Haben wir keine Zeit mehr?

Mittwoch, Juni 17th, 2009

LGFrüher war alles anders. Heute auch. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens eine E-Mail erhalte, in denen die persönlichsten Worte nur noch eine Aneinanderreihung von Konsonanten sind. Die freundlichen Grüße, die – ob Floskel oder nicht – eine Wertschätzung gegenüber dem Empfänger auszudrücken vermögen, verdichten sich zu einem nüchternen „MfG“. Selbst die lieben Grüße guter Freunde verenden heutzutage wie selbstverständlich in einem stakkatohaften „LG“. Haben wir keine Zeit mehr?

Zugegeben, zu den Zeiten des guten alten Telex‘ hatten Abkürzungen aus ökonomischen Gründen ihre Daseinsberechtigung. Und auch bei der begrenzten Textlänge einer SMS ist es sowohl aus Kosten- als auch Zeitgründen im privaten Bereich durchaus vertretbar, allgemein bekannte Standardfloskeln abzukürzen. Doch das Argument der Ökonomie versagt spätestens bei der elektronischen Post, der man ja gemeinhin dieselben Regeln wie einem postalisch verschickten Brief zuschreibt. Haben Sie schon einmal überlegt, wie viel länger Ihre Finger auf der Tastatur verweilen müssen, wenn Sie statt kurz angebundener „LG“ echte „liebe Grüße“ verschicken? Die Differenz zwischen Nüchternheit und Wertschätzung dürfte sich für einen halbwegs geübten Schreiber im Bereich einer Sekunde bewegen.

Ich glaube dennoch an das Gute im Menschen – und gehe deshalb weiterhin davon aus, dass auch „LG“ wirklich lieb gemeint sind.

Der stille Abschied vom Genitiv-s

Dienstag, Mai 26th, 2009

genitiv-s1Kaum hat man sich als der deutschen Sprache mächtiger Bürger mit der zunehmenden Verbreitung der „Apostrophitis“ bei Genitiven und Pluralen auf seine Weise abgefunden, hält leise, aber unbeharrlich ein neues Phänomen Einzug in unsere tägliche Kommunikation. Fast wie aus Angst vor einem falsch gesetzten Genitiv-Apostroph entdeckt man immer häufiger ein gänzlich fehlendes Genitiv-s.

Da ist von „den Fallen des Internet“ die Rede, von „den Geheimnissen des Islam“ oder auch von „den Terroranschlägen des 11. September“. Vorbei die Zeit, in der einem die Augen schmerzten, wenn man „des Internet’s“ oder „des Islam’s“ lesen musste? Von Bastian Sick in seiner Spiegel-Kolumne liebevoll „Kasus Verschwindibus“ genannt, breitet sich der Abschied vom Genitiv-s nicht nur im geschriebenen, sondern auch im gesprochenen Wort unvermindert aus.

Als Besucher des Bildungszentrums hätte ich bei der Einfahrt auf den Parkplatz vermutlich erst einmal irritiert auf die Bremse getreten. Aber glücklicherweise war ich zu Fuß da.

Missverstandene Anglizismen

Mittwoch, Mai 6th, 2009

anglizismenEnglischsprachige Worte oder ganze Phrasen gelten gemeinhin als modern, schick und demonstrieren Weltoffenheit – so mag man zumindest glauben. Spätestens seit Bekanntwerden eines der größten Missverständnisse um den englischen Slogan einer großen Parfümeriekette wissen wir aber, dass englische Botschaften von großen Teilen der Zielgruppe nicht immer richtig verstanden werden: „Come in and find out“ wurde von den Befragten allzu oft mit „Komm rein und finde wieder raus“ übersetzt, was sicher nicht ganz die Absicht des Absenders war.

Nicht nur international operierende Unternehmen müssen sich daher die Frage stellen, ob die Zielgruppen in ihren Märkten tatsächlich in der Lage sind, Sinn und Inhalt einer fremdsprachlichen Werbebotschaft richtig zu verstehen. In vielen Fällen ist es ratsam, die Botschaft der Sprache und auch den Gepflogenheiten des Empfängers anzupassen – getreu dem in den 1990er Jahren gern propagierten Motto „Think global, act local“. Während wir in Deutschland zum Beispiel bedenkenlos die „Liebe zum Automobil“ pflegen können, wird ein Spanier spätestens bei der Verwendung des Wortes „amor“ in Verbindung mit einem Auto eher stutzig und kann sich bestenfalls für „pasión“, also die Leidenschaft, erwärmen.

Wie auch andere englischsprachige Werbeslogans missverstanden werden, zeigt eine Untersuchung der Endmark GmbH bei rund 1.000 Befragten zwischen 14 und 49 Jahren aus dem Jahr 2006: Nur 38 Prozent verstanden den Slogan „Freedom of speech“ von BASE korrekt als „Redefreiheit“. Die Mehrzahl der Befragten übersetzte zum Beispiel mit „Frieden der Geschwindigkeit“ oder „Rede in Frieden“. Burger Kings „Have it your way“ wurde von einigen Befragten mit „Hast du deinen Weg?“ oder „Nimm’s mit auf den Weg“ übersetzt – nur knapp ein Viertel der Befragten konnte den Slogan korrekt mit „Mach’s auf deine Weise“ interpretieren. Oder wie schrieb doch ein Schulfreund seinerzeit in einer Englischklausur: „The story is written in short and pregnant paragraphs“ – vielleicht ist es ja das, was man unter „inhaltsschwanger“ verstehen darf …

Lesen Sie demnächst in unserem Beitrag „Andere Länder, andere Sitten“, worauf Werbungtreibende bei ihrer Kommunikation mit anderen Kulturkreisen – zum Beispiel in Asien, Afrika und Osteuropa – unbedingt achten sollten.