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Ein Blumenkübel und das Netz

Freitag, August 6th, 2010

Nein, das Internet braucht sicher nicht noch einen Artikel über den unerwarteten Blumenkübel-Hype, der seit gestern im Netz für Erheiterung sorgt. Dennoch: Es ist faszinierend zu beobachten, wie eine scheinbar völlig belanglose Meldung – zur richtigen Zeit am richtigen Ort von den richtigen Personen weiterverbreitet – eine Eigendynamik entwickeln kann, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Aus dem Münsterland nach ganz Deutschland und hinaus in die große, weite Netzwelt: So schnell erlangt ein urdeutsches Wort wie „Blumenkübel“ internationale Bekanntheit und sorgt im Ausland für Verwunderung. Immerhin: Der Suchbegriff belegte gestern zeitweise Platz 5 auf der Rangliste der international am meisten in Twittermeldungen verwendeten Worte („Trending Topics“).

Es sind scheinbar unwichtige Faktoren, die den Erfolg der Verbreitung ausmachen und die Lawine ins Rollen zu bringen vermögen. War es entscheidend, wer die Nachricht aufgegriffen und über Twitter verbreitet hat? Wie ausschlaggebend war der Zeitpunkt? Konnte die Kettenreaktion nur über Twitter in Gang gesetzt werden oder wäre auch ein anderes Medium dazu in der Lage gewesen? Es ist ein bisschen Chaostheorie, aber letztlich ist es das Zusammenspiel vieler für sich genommen wenig bedeutsamer Faktoren, die etwas Großes bewirken können.

Zu diesem Thema sei das Buch „Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können“ von Malcolm Gladwell empfohlen. Der Autor beschreibt hier unter anderem anhand von realen Beispielen, welche Rolle verschiedene Faktoren spielen, um beispielsweise eine Ware zur Mode werden zu lassen oder Epidemien auszulösen.

Drohen uns ab diesem Jahr betrügerische Domainnamen?

Freitag, Januar 1st, 2010

Wie „Mashable – The Social Media Guide“ heute in seinem Blog veröffentlicht, stehen uns ab Mitte dieses Jahres möglicherweise Domainnamen ins Haus, die mit äußerster Vorsicht, weil unter Umständen in betrügerischer Absicht registriert, zu genießen sind.

Laut Mashable wird die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) voraussichtlich noch im ersten Halbjahr 2010 Domainnamen zulassen, die nicht aus dem lateinischen Alphabet bestehen. Im Klartext heißt das, dass Domains künftig beispielsweise auch aus arabischen, japanischen, kyrillischen oder chinesischen Schriftzeichen bestehen können. Dieser für nicht-lateinische Zeichen verwendende Sprachen nicht zu bestreitende Fortschritt birgt gleichzeitig ein noch ungeahntes Potenzial für kriminelle Absichten, beispielsweise für Phishing-Sites.

Der Grund hierfür ist so einfach wie bemerkenswert: Einige Sprachen, so zum Beispiel Russisch, verwenden in ihrem Alphabet Zeichen, die wir auch aus unserem lateinischen Alphabet kennen – allerdings mit teilweise unterschiedlicher Bedeutung. Ein konkretes Beispiel: Würde die Domain „raurask.com“ in kyrillischen Zeichen registriert, erschiene sie uns, ans lateinische Alphabet gewöhnten Nutzern, als „paypacк.com“ (das kyrillische P entspricht dem lateinischen R, das Y unserem U und das C dem S). Da die modernen Betriebssysteme bzw. Browser heute meist in der Lage sind, auch die Schriftzeichen anderer Sprachen problemlos darzustellen, würde uns dieser Unterschied gar nicht auffallen. Wie auf diese Weise schnell die Rechte von Marken, die zufälligerweise Buchstaben mit Entsprechungen in anderen Schriftsystemen verwenden, ausgehebelt werden können, liegt auf der Hand.

Wie Mashable weiter schreibt, hat die ICANN bisher keine Regelungen zum Umgang oder zur Vermeidung solch kritischer Zeichenkonstellationen herausgegeben. Auch wenn natürlich nicht alle Markennamen aus den Zeichen anderer Schriftsysteme nachgebildet werden können, sollten sich Unternehmen der drohenden Missbrauchsgefahr bewusst sein, eventuelle Transkriptionsmöglichkeiten in anderen Schriften prüfen und sich entsprechende Domains im Ernstfall schnell sichern.

Nachtrag: Ich habe das im Originalartikel von Mashable verwendete Beispiel (paypal.com) nicht verwendet, da das lateinische L im kyrillischen Alphabet anders dargestellt wird: L = Л. „raural“ müsste somit als „раурал“ wiedergegeben werden.

US-Verteidigungsbehörden testen Zuverlässigkeit von sozialen Netzwerken

Montag, Dezember 7th, 2009

Foto: DARPADie Forschungseinrichtung des US-Verteidigungsministeriums DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) hat am vergangenen Wochenende mit Hilfe von zehn roten Ballons die Zuverlässigkeit der Informationsverbreitung über soziale Netzwerke wie z.B. Facebook und Twitter untersucht.

Im Rahmen eines Wettbewerbs positionierte die DARPA über die gesamten USA verteilt zehn rote Ballons. Für das erste bei der „DARPA Network Challenge“ registrierte Team, das die Positionen aller zehn Ballons bestimmen konnte, winkten 40.000 Dollar Preisgeld. Für die Suche hatten die Teilnehmer bis zum 14. Dezember Zeit – allerdings konnte ein Team des Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) die Ballons bereits nach neun Stunden aufspüren und die 40.000 Dollar kassieren.

Ziel des Wettbewerbs war laut einer Sprecherin des DARPA unter anderem, die Glaubwürdigkeit der verbreiteten Informationen über soziale Netzwerke zu untersuchen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die teilnehmenden Teams auch mit gezielt gestreuten Falschinformationen arbeiten konnten, um die Gegner in die Irre zu führen.

Der Wettbewerb wurde offiziell anlässlich des 40. Geburtstages des Arpanet, dem Vorläufer des heutigen Internets, gestartet. Dass die auf recht spielerische Weise gewonnenen Informationen allerdings für die Behörden generell sehr hilfreich sein können, liegt auf der Hand.

Andere Länder, andere Sitten

Montag, Mai 18th, 2009

JapanDass fremdsprachliche Werbebotschaften beim Empfänger nicht immer ins Schwarze treffen, konnten Sie in unserem Beitrag „Missverstandene Anglizismen“ bereits lesen. Doch selbst wenn ein international agierendes Unternehmen die Muttersprache der Zielgruppe spricht, ist es vor kulturell bedingten Fettnäpfchen noch lange nicht gefeit.

Besonders der asiatische Markt birgt einige Fallen. Gerade auf der Ebene der nonverbalen Kommunikation exisitieren im Gegensatz zur westeuropäischen Welt große Unterschiede. Sexuelle Anspielungen oder Reize sind weitaus mehr tabuisiert als in Europa. Auch das Thema Freizeit genießt im südostasiatischen Raum einen deutlich geringeren Stellenwert als in unseren Gefilden. Und auch der Numerologie wird mehr Bedeutung beigemessen als in der westlichen Welt: Vor allem die Zahl 4 sollte als „Todeszahl“ stets vermieden werden. Beliebte Zahlen hingegen sind 1, 5 und 8. Schwarz und Weiß sollten als vollflächige Farben nicht eingesetzt werden; positiv aufgenommen werden warme Töne wie Rot oder Gelb.

Immer mehr Unternehmen finden ihren Markt auch auf dem afrikanischen Kontinent. Besonders beachtenswert ist bei der Vielfalt der afrikanischen Kulturen, dass der Islam weit verbreitet ist. Emotionale Reize sollten also nie gegen Sitte und Moral verstoßen. Zahlen spielen eine geringere Rolle als in Asien; die Zahl 9 wird im Allgemeinen als positiv empfunden. Grün ist durch seine religiöse Bedeutung eine beliebte Farbe, sollte aber auch gerade deswegen mit Vorsicht eingesetzt werden.

Die Öffnung nach Osten bringt vielen Unternehmern auch die russische Kultur näher. Sicher haben West- und Osteuropäer viele Gemeinsamkeiten, jedoch werden vor allem in Russland viele geschäftliche Kontakte auch im Freizeitbereich geknüpft. Die Farbe Rot hat trotz ihrer ehemals sehr politischen Bedeutung nach wie vor eine positive Konnotation – nicht zuletzt, weil im Russischen die Begriffe „rot“ und „schön“ sprachlich verwandt sind.

Natürlich können wir hier nicht alle Feinheiten der kulturellen Unterschiede und die daraus resultierenden Fallstricke für die Kommunikation behandeln. Wenn Sie beabsichtigen, mit Ihrem Unternehmen, Ihren Produkten und Dienstleistungen in anderen Kulturen präsent zu sein, helfen wir Ihnen, den richtigen Ton zu treffen und unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

Missverstandene Anglizismen

Mittwoch, Mai 6th, 2009

anglizismenEnglischsprachige Worte oder ganze Phrasen gelten gemeinhin als modern, schick und demonstrieren Weltoffenheit – so mag man zumindest glauben. Spätestens seit Bekanntwerden eines der größten Missverständnisse um den englischen Slogan einer großen Parfümeriekette wissen wir aber, dass englische Botschaften von großen Teilen der Zielgruppe nicht immer richtig verstanden werden: „Come in and find out“ wurde von den Befragten allzu oft mit „Komm rein und finde wieder raus“ übersetzt, was sicher nicht ganz die Absicht des Absenders war.

Nicht nur international operierende Unternehmen müssen sich daher die Frage stellen, ob die Zielgruppen in ihren Märkten tatsächlich in der Lage sind, Sinn und Inhalt einer fremdsprachlichen Werbebotschaft richtig zu verstehen. In vielen Fällen ist es ratsam, die Botschaft der Sprache und auch den Gepflogenheiten des Empfängers anzupassen – getreu dem in den 1990er Jahren gern propagierten Motto „Think global, act local“. Während wir in Deutschland zum Beispiel bedenkenlos die „Liebe zum Automobil“ pflegen können, wird ein Spanier spätestens bei der Verwendung des Wortes „amor“ in Verbindung mit einem Auto eher stutzig und kann sich bestenfalls für „pasión“, also die Leidenschaft, erwärmen.

Wie auch andere englischsprachige Werbeslogans missverstanden werden, zeigt eine Untersuchung der Endmark GmbH bei rund 1.000 Befragten zwischen 14 und 49 Jahren aus dem Jahr 2006: Nur 38 Prozent verstanden den Slogan „Freedom of speech“ von BASE korrekt als „Redefreiheit“. Die Mehrzahl der Befragten übersetzte zum Beispiel mit „Frieden der Geschwindigkeit“ oder „Rede in Frieden“. Burger Kings „Have it your way“ wurde von einigen Befragten mit „Hast du deinen Weg?“ oder „Nimm’s mit auf den Weg“ übersetzt – nur knapp ein Viertel der Befragten konnte den Slogan korrekt mit „Mach’s auf deine Weise“ interpretieren. Oder wie schrieb doch ein Schulfreund seinerzeit in einer Englischklausur: „The story is written in short and pregnant paragraphs“ – vielleicht ist es ja das, was man unter „inhaltsschwanger“ verstehen darf …

Lesen Sie demnächst in unserem Beitrag „Andere Länder, andere Sitten“, worauf Werbungtreibende bei ihrer Kommunikation mit anderen Kulturkreisen – zum Beispiel in Asien, Afrika und Osteuropa – unbedingt achten sollten.