Durch einen Beitrag im Blog der „Textzicke“ (ja, sie nennt sich selbst so!) wurde ich auf einen Videoclip aufmerksam, in dem sich der Brite Stephen Fry zur Lebendigkeit der Sprache äußert.
Zunächst war ich wieder einmal überwältigt von Stephen Frys Erzählkunst und von seinem Talent, einen Text so vorzutragen, dass man dem Sprecher förmlich an den Lippen klebt. Stundenlang könnte ich seiner Stimme und seinem Englisch lauschen. Aber: Was Fry über die lebende Sprache sagt, teile ich nur ansatzweise.
Ja, Sprache lebt. Das muss auch so sein, damit sich eine Gesellschaft weiterentwickeln kann. Neue Wortschöpfungen, Umdeutungen von Begriffen und auch zeitgemäße Anpassungen von Orthografie und Grammatik haben ihre Daseinsberechtigung. Allerdings ist Sprache doch viel mehr als nur reine Inhaltsvermittlung. Sprache besitzt ihre ganz eigene Ästhetik, sie kann manipulieren, kann Wert- oder Geringschätzung ausdrücken, sie kann Gefühle vermitteln, sie kann provozieren. Sprache ist Kommunikationsmittel, aber auch Kunst. Sie kann sowohl trivial sein als auch äußerst komplex.
Es hat meines Erachtens jedoch nichts mit Pedanterie zu tun, wenn man den Nuancenreichtum und die Feinheit einer Sprache mittels bestimmter Grundsätze zu bewahren versucht und in gewisser Weise sogar dafür kämpft, dass sich die (Mutter-)Sprache nicht auf ein Mindestvokabular ohne Regelwerk verstümmeln lässt. Dazu gehört meiner Meinung nach aber sehr wohl auch das Einhalten von Konventionen, die im Laufe der Zeit aus unterschiedlichsten Gründen getroffen wurden. Gerade das bewusste Brechen dieser Übereinkünfte kann dann jedoch wiederum zu einem eigenen Stilmittel der Kommunikation werden. Viele vermeintlich starre Regeln ermöglichen es doch überhaupt erst, nackten Inhalten den gewünschten Feinschliff zu geben. Ein Werbeslogan wie „Deutschlands meiste Kreditkarte“ konnte beispielsweise nur deshalb entsprechende Aufmerksamkeit erregen, weil er durch falsche Grammatik bewusste oder unbewusste Irritation auslöste.
Mit der Sprache ist es doch wie mit einem guten Wein. Natürlich schmeckt auch der Rote für 2,99 Euro vom Discounter irgendwie nach Wein. Wer aber echten Genuss schätzt, weiß, dass er dafür üblicherweise ein paar Euro mehr auf den Tisch legen muss. Besoffen machen am Ende beide.






Früher war alles anders. Heute auch. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens eine E-Mail erhalte, in denen die persönlichsten Worte nur noch eine Aneinanderreihung von Konsonanten sind. Die freundlichen Grüße, die – ob Floskel oder nicht – eine Wertschätzung gegenüber dem Empfänger auszudrücken vermögen, verdichten sich zu einem nüchternen “MfG”. Selbst die lieben Grüße guter Freunde verenden heutzutage wie selbstverständlich in einem stakkatohaften “LG”. Haben wir keine Zeit mehr?
Dass fremdsprachliche Werbebotschaften beim Empfänger nicht immer ins Schwarze treffen, konnten Sie in unserem Beitrag 





