Posts Tagged ‘Social Networks’

Ein Blumenkübel und das Netz

Freitag, August 6th, 2010

Nein, das Internet braucht sicher nicht noch einen Artikel über den unerwarteten Blumenkübel-Hype, der seit gestern im Netz für Erheiterung sorgt. Dennoch: Es ist faszinierend zu beobachten, wie eine scheinbar völlig belanglose Meldung – zur richtigen Zeit am richtigen Ort von den richtigen Personen weiterverbreitet – eine Eigendynamik entwickeln kann, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Aus dem Münsterland nach ganz Deutschland und hinaus in die große, weite Netzwelt: So schnell erlangt ein urdeutsches Wort wie „Blumenkübel“ internationale Bekanntheit und sorgt im Ausland für Verwunderung. Immerhin: Der Suchbegriff belegte gestern zeitweise Platz 5 auf der Rangliste der international am meisten in Twittermeldungen verwendeten Worte („Trending Topics“).

Es sind scheinbar unwichtige Faktoren, die den Erfolg der Verbreitung ausmachen und die Lawine ins Rollen zu bringen vermögen. War es entscheidend, wer die Nachricht aufgegriffen und über Twitter verbreitet hat? Wie ausschlaggebend war der Zeitpunkt? Konnte die Kettenreaktion nur über Twitter in Gang gesetzt werden oder wäre auch ein anderes Medium dazu in der Lage gewesen? Es ist ein bisschen Chaostheorie, aber letztlich ist es das Zusammenspiel vieler für sich genommen wenig bedeutsamer Faktoren, die etwas Großes bewirken können.

Zu diesem Thema sei das Buch „Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können“ von Malcolm Gladwell empfohlen. Der Autor beschreibt hier unter anderem anhand von realen Beispielen, welche Rolle verschiedene Faktoren spielen, um beispielsweise eine Ware zur Mode werden zu lassen oder Epidemien auszulösen.

Wie Soziale Netzwerke im Krisenfall reagieren

Samstag, Juli 24th, 2010

Die heutige Tragödie auf der Loveparade 2010 in Duisburg gibt uns einen Eindruck, wie das Web 2.0 in Krisensituationen reagiert. Insbesondere über Twitter liefen schon wenige Augenblicke nach Bekanntwerden der Katastrophe die ersten Beileidsbekundungen, aber auch Links zu aktuellen Bildern des Geschehens. In kürzester Zeit war die Massenpanik auf der Loveparade nicht mehr nur ein in Deutschland, sondern ein international beachtetes Unglück. Tweets mit den Namen von vermissten Personen und Verhaltensregeln zum Verlassen der Veranstaltung wurden als Retweet vielfach weitergeleitet; verbreitete Links zu bereits Tage alten Berichten mit kritischen Kommentaren und Bedenken zur Sicherheitslage ließen schon einige Stunden nach dem Vorfall den Schluss zu, dass die Katastrophe unter Umständen sogar vorhersehbar war. Nur wenige Minuten nach dem Unglück waren auf YouTube schon mehrere Amateurvideos mit Aufnahmen von den Momenten vor und während der Massenpanik online; Kritik an den Verantwortlichen machte sich in Windeseile im Netz breit. Auf Facebook wurde unmittelbar eine Gruppe für Beileidsbekundungen gegründet, die innerhalb weniger Stunden bereits mehrere hundert Mitglieder zählte. Parallel erfolgten Boykottaufrufe gegen die Bild-Zeitung, die angeblich in ihren gedruckten Ausgaben Bilder von Toten veröffentlichen will (und es in ihrer Online-Ausgabe auch sofort nach der Tragödie getan hat, dann aber wieder entfernt hat).

Durch die rasend schnelle Verbreitung von aktuellen Informationen, eben auch von Augenzeugen, wird deutlich, welche Rolle die „Social Networks“ im Krisenfalle spielen können und in Zukunft mit Sicherheit verstärkt spielen werden. Der Community-Gedanke erhält hierbei eine ganz andere Qualität: Es bildet sich eine Gemeinschaft, die zusammenhält, Gefühle teilt und – zumindest virtuell – auf ihre eigene Weise enger zusammenrückt. Und das nicht nur zum Spaß.

Meine Anteilnahme gilt allen Angehörigen der bei der Tragödie getöteten und verletzten Menschen.

Zeig mir dein Gesicht und ich sag dir, wer du bist

Samstag, März 6th, 2010

An Programmen zur automatischen Identifizierung von Personen arbeitet die Industrie schon lange. Bildverwaltungssoftware wie Googles Picasa oder Apples iPhoto beherrschen die Erkennung von Gesichtern innerhalb der eigenen, privaten Fotoalben mittlerweile recht gut. Dass die Personenerkennung mittels mobiler Geräte die nächste Entwicklungsstufe darstellt, ist nur die logische Konsequenz.

Das schwedische Softwareunternehmen „The Astonishing Tribe“ (TAT) hat jüngst die Anwendung „Recognizr“ entwickelt, die es Nutzern eines iPhones oder Android-Handys ermöglichen soll, unterwegs Gesichter zu fotografieren und erkennen lassen zu können. Das über die Handykamera aufgenommene Foto wird zum Abgleich mit einer Datenbank ins Netz geschickt. Ist das Gesicht dem System bekannt, werden die Daten beispielsweise mit denen der Sozialen Netzwerke abgeglichen, bei denen die gesuchte Person angemeldet ist. Die Icons der Netzwerke werden dann auf dem Handydisplay angezeigt, so dass man die Profile der identifizierten Person direkt aus der Anwendung heraus besuchen kann. Ein Video zeigt, wie “Recognizr” funktioniert:

Nach heutigem Stand bleibt die Privatsphäre gewahrt, da man sich zur Erkennung aktiv bei dem Dienst anmelden und seine Daten inklusive Foto hinterlegen muss. Eine Identifikation „in freier Wildbahn“ gegen den Willen der gesuchten Person bliebe somit ausgeschlossen. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis die großen Daten sammelnden Unternehmen solche Anwendungen in ihre Dienste integrieren und die Profile ihrer Nutzer möglicherweise durch eine einfache und leicht zu übersehende Änderung in ihren AGB für die Gesichtserkennung freigeben.

Wie unbeobachtet fühlen Sie sich im Netz?

Dienstag, Februar 2nd, 2010

StartpanicFast täglich wird von neu entdeckten Sicherheitslücken im Netz berichtet, durch die die Privatsphäre der Nutzer immer weiter eingeschränkt wird. Für Menschen, die das Internet in seinem vollen Umfang nutzen und sich am “Mitmach-Netz” 2.0 beteiligen, sind die Zeiten eines halbwegs anonymen Surfens schon lange vorbei. Doch gerade in den letzten Monaten häufen sich die Hinweise, dass der Mensch vor dem Rechner und/oder sein Surfverhalten eindeutig identifiziert werden kann und nicht mehr nur auf eine kryptische IP-Adresse – deren “Besitzer” in der Regel nur dem Provider bekannt ist – reduziert ist.

Durch eine Sicherheitslücke in den gängigsten Browsern kann eine besuchte Webseite beispielsweise Ihr Surfverhalten ausspionieren, indem sie die Chronik Ihrer Seitenbesuche (Browser History) ausliest. Besonders deutlich demonstriert wird dies auf startpanic.com (nur auf Englisch), wo Ihnen nach einem Klick auf den Button “Let’s start” zumindest ein Teil der zuletzt besuchten Internetseiten präsentiert wird – vorausgesetzt, Sie haben Ihre Browser History nicht gerade erst gelöscht. Startpanic.com hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Petition an die Programmierer der Internetbrowser zu übermitteln, damit diese Sicherheitslücke geschlossen wird. Weniger seriös, aber möglicherweise um so kompromittierender gibt sich die Seite didyouwatchporn.com, die Ihnen auf Grund der ausgelesenen Seitenbesuche schnell und unmissverständlich zeigt, ob Sie jüngst eine Seite besucht haben, die ausschließlich Inhalte für volljährige Internetnutzer bereitstellt. Tückisch: Die Seite bietet zusätzlich eine Funktion, mittels derer Sie einen Link an einen “Freund” verschicken können. Klickt der Adressat auf diesen Link in der empfangenen E-Mail, erhält der Versender postwendend eine Rückmeldung, ob und auf welchen Erwachsenenseiten der mit dem Link “beschenkte” Nutzer unterwegs war. Diese beiden Beispiele zeigen bereits eindrucksvoll, wie betrügerische – aber durchaus auch ansonsten seriöse – Webseiten sehr private Informationen eines Nutzers ausspionieren können. Allerdings können auf diese Weise noch keine Rückschlüsse auf die Identität einer bestimmten Person gezogen werden.

Sie atmen gerade erleichtert durch? Dann überlegen Sie kurz, in welchen Sozialen Netzwerken Sie angemeldet sind und in welchen Gruppen oder Foren Sie sich dort tummeln. Mit Facebook oder studiVZ haben Sie nichts am Hut? Sie nutzen ausschließlich die seriöse und rein beruflich orientierte Plattform XING und sind dort in einigen Gruppen aktiv? Dann prüfen Sie doch einmal, wie leicht Sie unter Umständen durch den Klick auf eine einzige Schaltfläche auf einer fremden Webseite identifiziert oder zumindest einem engeren Personenkreis zugeordnet werden können. Treffer? Wohl gemerkt: Es handelt sich hierbei nicht um eine Sicherheitslücke bei XING, sondern um eine verwundbare Stelle in Ihrem Browser, durch die allein auf Grund Ihrer Forenaktivitäten eine Art digitaler Fingerabdruck ermittelt werden kann.

Der restriktive Umgang mit persönlichen Daten allein schützt Sie also nicht davor, dass Sie eindeutige Spuren im Netz hinterlassen und durch die immer enger werdenden Maschen im World Wide Web eindeutig identifiziert werden können. Dieser Tatsache sollte man sich heute als Internetnutzer immer bewusster werden.

Das erfolgreichste YouTube-Video 2009

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Auf YouTube ansehenZum Ende eines jeden Jahres explodieren die Superlative: vom Wort des Jahres über die meistgesuchten Begriffe auf Google bis hin zum erfolgreichsten Spiel in den sozialen Netzwerken. Dazu zählt natürlich auch das Video mit den meisten Abrufen auf der Videoplattform YouTube.

Man mag von den Castingformaten unserer Zeit halten was man will, aber eines steht fest: Susan Boyle hat in diesem Jahr die würdige Nachfolge von Paul Potts, unter anderem einst Hauptdarsteller in einem rührseligen Werbespot der Deutschen Telekom, angetreten. Die anfangs so unscheinbare und belächelte Endvierzigerin aus Blackburn in Schottland hat die Welt begeistert. Nicht umsonst hat ihr Video auf YouTube mit über 120 Millionen Abrufen so einige “echte Superstars” weit hinter sich gelassen.

Übrigens: Der meistgesuchte Begriff auf YouTube im Dezember 2009 ist bisher “Tiger Woods”. Kontrastprogramm.

US-Verteidigungsbehörden testen Zuverlässigkeit von sozialen Netzwerken

Montag, Dezember 7th, 2009

Foto: DARPADie Forschungseinrichtung des US-Verteidigungsministeriums DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) hat am vergangenen Wochenende mit Hilfe von zehn roten Ballons die Zuverlässigkeit der Informationsverbreitung über soziale Netzwerke wie z.B. Facebook und Twitter untersucht.

Im Rahmen eines Wettbewerbs positionierte die DARPA über die gesamten USA verteilt zehn rote Ballons. Für das erste bei der “DARPA Network Challenge” registrierte Team, das die Positionen aller zehn Ballons bestimmen konnte, winkten 40.000 Dollar Preisgeld. Für die Suche hatten die Teilnehmer bis zum 14. Dezember Zeit – allerdings konnte ein Team des Massachusetts Institute of Technology (M.I.T.) die Ballons bereits nach neun Stunden aufspüren und die 40.000 Dollar kassieren.

Ziel des Wettbewerbs war laut einer Sprecherin des DARPA unter anderem, die Glaubwürdigkeit der verbreiteten Informationen über soziale Netzwerke zu untersuchen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die teilnehmenden Teams auch mit gezielt gestreuten Falschinformationen arbeiten konnten, um die Gegner in die Irre zu führen.

Der Wettbewerb wurde offiziell anlässlich des 40. Geburtstages des Arpanet, dem Vorläufer des heutigen Internets, gestartet. Dass die auf recht spielerische Weise gewonnenen Informationen allerdings für die Behörden generell sehr hilfreich sein können, liegt auf der Hand.

Leitfaden für den Einstieg in soziale Netzwerke

Donnerstag, Dezember 3rd, 2009

BVDW-LeitfadenDer Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hat einen Leitfaden für Social-Network-Neulinge herausgegeben. In zehn hilfreichen Tipps erfahren Einsteiger, wie sie soziale Netzwerke wie beispielsweise XING und LinkedIn beruflich oder Facebook, meinVZ und wer-kennt-wen privat sinnvoll und sicher nutzen können. Neben der klaren Zielsetzung für die Nutzung eines sozialen Netzwerks beschreibt der Leitfaden auch, wie man sich vor unliebsamen Überraschungen im Umgang mit dem neuen Medium schützen kann. Der kostenlose Leitfaden steht beim BVDW als PDF-Dokument zum Download bereit.

IKEA: virales Marketing par excellence auf Facebook

Samstag, November 21st, 2009

Wie virales Marketing hervorragend über die sozialen Netzwerke funktionieren kann, demonstrierte IKEA diesen Herbst auf Facebook. Zur Eröffnung der Filiale in Malmö machte sich das schwedische Möbelhaus eine gern und häufig genutzte Funktion von Facebook zu eigen: die Verlinkung auf Fotos im Album eines Nutzers. So wurden für den Store Manager Gordon Gustavsson kurzerhand ein Facebook-Profil angelegt und über einen Zeitraum von zwei Wochen insgesamt zwölf Bilder von verschiedenen IKEA-Wohnlandschaften in dessen Album hochgeladen. Das jeweils erste Facebook-Mitglied, das einen beliebigen Einrichtungsgegenstand auf einem Foto mit seinem Namen verlinkte, hatte den Artikel gewonnen. Das Gewinnspiel verbreitete sich rasend schnell auf den Pinnwänden tausender Facebook-Nutzer, was die Nachfrage nach neuen Bildern und somit weiteren Gewinnchancen ankurbelte. Jedes Nutzerprofil wurde so zur ganz individuellen Werbefläche für IKEA. Eine einfache, aber geniale Idee, die zeigt, welche Wege die Werbung in Zukunft auf ganz spielerische Weise gehen kann.

Die ganze Idee noch einmal in Bild und Ton auf YouTube:

Aktualisierung vom 7. Januar 2010: “Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Forsman nicht mehr verfügbar.”

Übrigens: Der Song im Video stammt vom Berliner Duo “Modeselektor” und heißt “Happy Birthday!” – zu haben zum Beispiel bei iTunes.

W&V startet Serie über “Spuren im Netz”

Montag, Oktober 26th, 2009

Spuren

Soziale Netzwerke und die damit verbundene Selbstdarstellung ihrer Nutzer sind zurzeit in aller Munde. Wie ausführlich man seine privaten und beruflichen Daten im Netz preisgibt, bleibt zunächst jedem selbst überlassen. Doch welche Online-Netzwerke sind reines Privatvergnügen und welche können sogar die Karrierechancen steigern?

Ab Heft 43 nimmt das Fachmagazin “W&V Werben & Verkaufen” das Thema Online-Reputation genauer unter die Lupe. Die Serie “Spuren im Netz” beleuchtet in den nächsten Ausgaben wichtige Aspekte zum “Personal Branding”, also der Darstellung der eigenen Person im World Wide Web. Mit einer gezielten und richtigen Vorstellung auf beruflich orientierten Plattformen lassen sich die Job- und Karrierechancen durchaus verbessern. “Nur wer sich kompetent und kontinuierlich beteiligt, kann sich eine wirkungsvolle persönliche Marke und ein karriere-förderndes Netzwerk aufbauen”, schreibt die W&V. In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich das Fachmagazin darüber hinaus mit der Frage, wie Arbeitgeber mit den steigenden Social-Media-Aktivitäten ihrer Mitarbeiter umgehen.

Dass private soziale Netzwerke den Karrierechancen aber im Zweifel auch hinderlich sein können, haben wir bereits in unserem Artikel “Social Networks: eine Stolperfalle fürs Business?” beleuchtet.

Lufthansa startet Social Networking über den Wolken

Donnerstag, Oktober 8th, 2009

MySkyStatusFür den einen mag damit die letzte Bastion in der von Reinhard Mey besungenen grenzenlosen Freiheit über den Wolken fallen, für den anderen ist es ein weiterer konsequenter Baustein in der Vielfalt des Social Networkings: Der neue Dienst “MySkyStatus” von Lufthansa erlaubt es Flugpassagieren, via Twitter oder Facebook aktuelle Informationen über ihre Flugreise ins Web zu übermitteln.

Auf der Internetseite von MySkyStatus kann der Passagier vor seinem Abflug die Daten zu Fluggesellschaft, Reisedatum, Flugnummer sowie Abflug- und Zielort erfassen. Zusätzlich hat der Nutzer die Wahl, ob ausschließlich Informationen über Abflug und Ankunft übermittelt werden sollen oder umfassende Daten über den gesamten Reiseflug (wie beispielsweise die aktuelle Flughöhe und Position). Je nach Auswahl werden die Informationen dann während des Fluges automatisch an den Facebook- und/oder Twitter-Account des Nutzers übermittelt und im Web veröffentlicht. Der Dienst ist nicht auf das Lufthansa-Streckennetz beschränkt, sondern funktioniert auch auf den Flügen anderer Airlines.